Wenn ein Kind bis zum 2. Geburtstag nicht anfängt zu sprechen oder nur wenige Wörter spricht, reagieren die Eltern, die Erzieher und der Kinderarzt zu Recht besorgt. In der Fachwelt werden diese Kinder „Late Talker“ also „späte Sprecher“ genannt.
Etwa 10-20 % der Kinder eines Jahrgangs zeigen eine deutlich langsamere Sprachentwicklung als andere Kinder.

Ein Drittel der betroffenen Kinder holt den Entwicklungsrückstand bis zum 3. Geburtstag ohne gezielte Intervention wieder auf. Ein weiteres Drittel zeigt auch nach dem 3. Geburtstag noch sprachliche Auffälligkeiten. Bei dem verbliebenen Drittel liegt eine ausgeprägte Sprachentwicklungsstörung vor.

Eine behandlungsbedürftige Sprachentwicklungsverzögerung zu erkennen und von einer langsamen, aber normal verlaufenden Sprachentwicklung abzugrenzen ist mitunter schwierig, da es große Schwankungen bei der Entwicklung einzelner Fähigkeiten geben kann.

Fachlichen Rat sollten Sie einholen, wenn ein Kind im Alter von 2 Jahren

  • - weniger als 50 Wörter spricht
  • - Wörter nicht miteinander kombiniert
  • - sich mehr durch Gestik, Mimik und einzelne Laute verständigt als mit Worten

In diesem Fall sollte das Kind eingehend untersucht werden, um medizinische Ursachen, wie z.B. ein eingeschränktes Hörvermögen als Ursache für die Entwicklungsverzögerung auszuschließen.

Oft gibt es keine eindeutige Ursache für das späte Sprechen. Das sprachliche Vorbild der Eltern oder die Erziehung sind selten verantwortlich. Das Kind trifft erst recht keine Schuld. Kinder sind im Allgemeinen sehr gesprächig und leiden darunter, wenn sie ihre Gedanken und Gefühle nicht mit Ihren Altersgenossen oder Bezugspersonen teilen können.

Ein früher Therapiebeginn ist sehr zu empfehlen, damit das Kind ein positives Selbstbild entwickeln kann. Durch therapeutische Förderung kann eine Sprachentwicklungsstörung nicht verhindert werden. Wenn jedoch rechtzeitig Entwicklungsimpulse gegeben werden, beeinflusst dies den weiteren Entwicklungsverlauf sehr günstig.

Marie-Luise Mädler (Logopädin)
Vera Wachwitz (Dipl. -Sprachwissenschaftlerin)